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Durch Zecken übertragene Krankheiten

Weltweit existieren etwa 750 bis 800 Zeckenarten. In der Öffentlichkeit werden die durch Zecken übertragbaren Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erst seit ungefähr 20 Jahren verstärkt wahrgenommen. Neben diesen in unseren Breiten relativ bekannten Krankheiten gibt es allerdings noch zahlreiche weitere Erkrankungen, die durch infizierte Zecken auf den Mensch übertragen werden können.

Erkrankung

Charakteristische bzw. Hauptüberträger

Risikogebiete

Auswirkungen

Schutz

Virus-Erkrankungen

Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME)
Russische Frühsommer- Meningio-Enzephalitis (RSSE, fernöstl. Subtypen)

Holzbock
(Ixodes ricinus)

Taigazecke
(Ixodes persulcatus)

Europa


Russland, Asien

Verlauf in 2 Phasen:
1. grippeähnlichen, unspezifischen Symptome
2. Entzündung der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks (Meningoenzephalitis) sind möglich

Infektion mit den östlichen Subtypen des Virus führen häufiger zu bleibenden neurologischen Schäden

Sterblichkeit der östlichen FSME beträgt bis zu 30%, die der westlichen ca. 1%

Impfung gegen FSME

In Deutschland verfügbare Impfstoffe bieten auch einen Schutz gegen die östlichen Subtypen (wichtig für Reisen in osteuropäische Nachbarländer)

Zusätzlich: konsequenter Zeckenschutz, da Zecken auch weitere Krankheitserreger übertragen können

Powassan
(POW-Virus)

Bundzecke(Dermacentor)

Taigazecke (Ixodes persulcatus)

Nordamerika


Russland

In der Regel milder Verlauf, kann aber bei Befall des zentralen Nervensystems in bis zu 15% der Fälle eine fatale Enzephalitis hervorrufen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Louping ill

Holzbock
(Ixodes ricinus)

Großbritannien, Norwegen, Dänemark

Krankheitsbild vergleichbar mit mitteleuropäischer FSME, insgesamt aber schwächerer im Verlauf

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Evtl. partieller Immunschutz nach FSME-Impfung, aufgrund Ähnlichkeit der Viren

Negishi

Holzbock
(Ixodes ricinus), Taigazecke
(Ixodes persulcatus)

Russland und Asien (Japan)

Infektionen können zu einer Meningoenzephalitis führen

Todesrate ist weitaus geringer als bei der FSME

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Krim-Kongo hämorrhagisches Fieber

Hyalomma-Zecke, kann auch sekundär von Tier zu Mensch und von Mensch zu Mensch übertragen werden

Russland (Krim), Zentralafrika, Südosteuropa (u.a. Türkei)

Plötzlicher Beginn mit Fieber und Schüttelfrost, allgemeinem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen

Infektion kann zu erhöhter Blutungsneigung (Hämorrhagie) führen

Krankheit kann innerhalb weniger Tage zum Tod führen, Sterblichkeit kann zwischen 15 und 50% liegen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Vorsicht auch beim Verzehr von Rohmilchprodukten

Kyasanur-Wald- Fieber

Haemaphysalis spingera

Indien

Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen

Komplikationen können zu Blutungsneigung (Hämorrhagie) und Erkrankung der Hirnhäute führen

Sterblichkeit liegt zwischen 5 und 15%

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Omsker hämorrhagisches Fieber (OHFV)

Bundzecke (Dermacentor)

Sibirien: fast ausschließlich in der Region um Omsk und Novosibirsk und in Westsibirien

Hochfieberhafte Erkrankung mit Kopf- und Muskelschmerzen

Infektion kann zu erhöhter Blutungsneigung (Hämorrhagie) führen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Evtl. partieller Immunschutz nach FSME-Impfung, aufgrund Ähnlichkeit der Viren

Colorado-Zecken- Fieber
(CTFV oder Coltivirus)

Bundzecke (Dermacentor),
kann auch durch Moskitos übertragen werden

Westen der USA und Kanada

In der Regel milder Verlauf, kann aber auch zu einer Meningoenzephalitis führen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Eyach-Virus

Holzbock (Ixodes ricinus)

Niederlande, Deutschland, Frankreich, Tschechien

Krankheitsbild unklar, greift evtl. das Nervengewebe an

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

In Europa wurden bis heute noch einige weitere Viren in Zecken nachgewiesen, für die aber bislang keine Erkrankungen bei Menschen bekannt wurden.

Bakterielle Erkrankungen

Lyme Borreliose (Borrelia burgdorferi sensu strictu, Borrelia garinii, Borrelia afzelii, u.a.)

Schildzecken-Arten (Ixodes)

Europa, USA, nördliches Asien

Häufigste durch Zecken auf den Menschen übertragene Erkrankung auf der nördlichen Erdhalbkugel;
Verlauf in 3 Stadien:
1. Lokalinfektion - Auftreten der sog. Wanderröte in 60%
2. Streuung des Erregers begleitet von neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen in 75%
3. Chronische Infektion - kann zur Zerstörung betroffener Organe führen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Rocky Mountain Spotted Fever (RMSF; Auch bezeichnet als Felsengebirgsfleck- fieber, Zeckentyphus,
Tobia-Fieber oder São-Paulo-Fieber);
Erreger: Rickettsia rickettsii

Bundzecken-Arten (Dermacentor), Haemaphysalis-Zecken und Schildzecken (Ixodes)

Westliche USA, Mittel- und Südamerika Europa, Afrika, Asien

Etwa 800 bis 1.000 Erkrankungen jährlich

Gekennzeichnet durch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, teilweise begleitet von Symptomen des Magen-Darm-Traktes, des Zentralnervensystems und der Lunge

Unbehandelt verläuft die Erkrankung in bis zu 20% der Fälle tödlich

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Mittelmeerfleckfieber  (auch Altweltzeckenfieber); Erreger: Rickettsia conorii

braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)

Rund ums Mittelmeer (insb. Portugal, Norditalien aber auch südliche Schweiz) und rund um das Schwarze Meer

Charakteristisch: bläulich-schwarze Verfärbung der Haut mit deutlichem roten Hof an der Stelle des Einstichs

Plötzliches hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen

Etwa 5% der Erkrankungen verlaufen schwer

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Q-Fieber (auch Balkangrippe);
Erreger: Coxiella burnettii

In Europa Bundzecken (Dermacentor)

Übertragung vornehmlich beim Einatmen mit Zeckenkot  kontaminierten Staub, u. U. auch durch Schmierinfektion oder den Genuss von Rohmilchprodukten

Verbreitung weltweit, auch in Mittel- und Südosteuropa

Eine der wenigen Ausnahmen scheint Neuseeland zu sein

Jede 20. Infektion führt zu einem chronischen Fieber (Dauer: bis zu einem halben Jahr)

Kritisch für Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bei bestehender Herzklappenerkrankung

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Vorsicht auch beim Verzehr von Rohmilchprodukten

Afrikanisches Fleckfieber;
Erreger: Rickettsia africae

Amblyomma-hebraeum-Zecken

Weitverbreitet in Afrika und Indien

 

Charakteristisch: bläulich-schwarze Verfärbung der Haut mit deutlichem roten Hof an der Stelle des Einstichs

Plötzliches hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen

sehr hohe Infektionsquote,  etwa 5% der Erkrankungen verlaufen schwer

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Ehrlichiose:
Human Granulozytäre Ehrlichiose (HGE) und Human Monozytäre Ehrlichiose;
Erreger: Ehrlichien

Schildzecken (Ixodes), Amblyomma-Zecken

 

USA, Europa (v.a. Osteuropa, Russland)

 

In der Regel durch grippale Symptome

Teilweise auch fulminante Organentzündungen, in
2-5% verläuft die Ehrlichiose tödlich

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Hasenpest (Tularämie);
Erreger: Francisella tularensis

Vorwiegend Bundzecken (Dermacentor) aber auch Schildzecken (Ixodes)

Übertragbar auch durch Stechmücken, Fliegen und Wanzen sowie durch den Kontakt mit kontaminierten Blut infizierter Tiere und u.U. auch durch frische Kuhmilch und Einatmen von kontaminiertem Staub

Weltweit

 

Weltweit jährlich ca. 500.000 Erkrankungen

In Deutschland nur etwa zwei bis drei Fälle

Häufig hohes Fieber

Es kann auch zu septischen Verläufen kommen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Zecken-Rückfallfieber;
Erreger: Borrelien- Arten

Ornithodorus-Zecken

Amerika, Afrika,  Spanien, Portugal, Osteuropa, Japan und vereinzelt in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wie auch in einigen asiatischen Ländern

Im Erkrankungsverlauf  kommt es zu mehreren Fieberschüben begleitet durch Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Übelkeit, teilweise Atemnot

Unterbrochen werden die Schübe von relativ beschwerdefreien  Zeiträumen

In schweren Verläufen kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Bartonellose;
Erreger: Bartonella

Vorwiegend Holzbock (Ixodes ricinus)

Europa, USA

Charakteristisch: schmerzhafte Lymphknoten-schwellungen sowie Gelenk- und Gliederschmerzen

Behandlungsbedürftig ist die infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Parasitäre Erkrankungen

Babesiose;
Erreger: Babesien

meistens Schildzecken (Ixodes)

Osten der  USA (vereinzelt aber auch in Kalifornien), Frankreich, Irland, Russland, Mexiko

Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen

Schwere Symptomatik vor allem in Europa: hohes Fieber, Mangel roter Blutkörperchen, Ausscheidung des Hämoglobins über die Nieren (kann bei starker Ausprägung zu Nierenversagen führen)

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Toxische Erkrankung

Zeckenparalyse ausgelöst durch Neurotoxine

 

Weibliche Zecken der Gattungen Dermacentor und Amblyomma in den USA sowie von Ixodes holocyclus in Australien können in ihren Speicheldrüsen Neurotoxine produzieren

 

USA und Australien

Seltene und schwer nachzuweisende Erkrankung

Gift kann bei längerem Einwirken an der Einstichstelle zu einer  aufsteigenden Lähmung führen

Nach Entfernen der Zecke können Lähmungen wieder verschwinden; bei nicht Entfernen, kann das Syndrom auch tödlich verlaufen.

Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar

Quellen: ImpfDialog 4, 2006; RKI


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Tipps, um das Risiko eines Zeckenstichs zu reduzieren

-Generell sollten Biotope mit hoher Zeckenpopulationsdichte wie z.B. Waldgebiete mit viel Unterholz und einer dichten Krautzone gemieden werden.

- Zecken sind auf heller Kleidung besser zu entdecken und können so früher entfernt werden.

- Dichtschließende Kleidung (z.B. Socken über die Hosenbeine ziehen) erschwert es der Zecke, die Haut zu erreichen.

- Insekten-Repellents sollten zusätzlich auch auf die Kleidung gesprüht werden. Die insektenabweisenden Mitteln haben aber nur eine zeitlich begrenzte Wirkung.

- Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man die Kleidung wechseln und den Körper nach Zecken absuchen.

- Saugende Zecken unbedingt sofort z.B. mit Hilfe einer Zeckenzange oder -karte entfernen und die Stichstelle reinigen und desinfizieren.

- Den besten Schutz vor einer FSME-Erkrankung und möglichen, bleibenden Schäden bietet die rechtzeitige Schutzimpfung.

Tipps zur richtigen Zeckenentfernung

Link zur Zeckenentfernung
Hier finden Sie Tipps zur richtigen Zeckenentfernung - klicken Sie auf das Bild

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