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Bereits seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass Zeckenstiche die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen können. Jedoch werden durch Zecken übertragene Infektionskrankheiten erst seit den 80er Jahren verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Krankheiten wie die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis sind mittlerweile in das Bewusstsein weiter Teile der Bevölkerung getreten, auch wenn hier gelegentlich immer noch beide Erkrankungen nicht differenziert diskutiert werden.
Zahlreiche weitere Erreger - sowohl Viren, Bakterien als auch Parasiten - werden durch Zecken übertragen und können zu schweren Erkrankungen bei Menschen führen. Generell hat die Bedeutung der von Zecken übertragbaren Krankheiten erheblich zugenommen. Erreger, die bereits in der Tiermedizin hinlänglich bekannt sind, werden neuerdings zunehmend auch beim Menschen identifiziert.
Hier finden Sie eine Übersicht, über die bisher bekannten Erreger, die von Zecken übertragen werden können:
Erkrankung | Charakteristische bzw. Hauptüberträger | Risikogebiete | Auswirkungen | Schutz |
Virus-Erkrankungen | ||||
| Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME) | Holzbock Taigazecke | Europa | Verlauf in 2 Phasen: Infektion mit den östlichen Subtypen des Virus führen häufiger zu bleibenden neurologischen Schäden Sterblichkeit der östlichen FSME beträgt bis zu 30%, die der westlichen ca. 1% | Impfung gegen FSME In Deutschland verfügbare Impfstoffe bieten auch einen Schutz gegen die östlichen Subtypen (wichtig für Reisen in osteuropäische Nachbarländer) |
| Powassan | Bundzecke(Dermacentor) Taigazecke (Ixodes persulcatus) | Nordamerika | In der Regel milder Verlauf, kann aber bei Befall des zentralen Nervensystems in bis zu 15% der Fälle eine fatale Enzephalitis hervorrufen | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Louping ill | Holzbock | Großbritannien, Norwegen, Dänemark | Krankheitsbild vergleichbar mit mitteleuropäischer FSME, insgesamt aber schwächerer im Verlauf | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar Evtl. partieller Immunschutz nach FSME-Impfung, aufgrund Ähnlichkeit der Viren |
| Negishi | Holzbock | Russland und Asien (Japan) | Infektionen können zu einer Meningoenzephalitis führen Todesrate ist weitaus geringer als bei der FSME | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Krim-Kongo hämorrhagisches Fieber | Hyalomma-Zecke, kann auch sekundär von Tier zu Mensch und von Mensch zu Mensch übertragen werden | Russland (Krim), Zentralafrika, Südosteuropa (u.a. Türkei) | Plötzlicher Beginn mit Fieber und Schüttelfrost, allgemeinem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen Infektion kann zu erhöhter Blutungsneigung (Hämorrhagie) führen Krankheit kann innerhalb weniger Tage zum Tod führen, Sterblichkeit kann zwischen 15 und 50% liegen | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar Vorsicht auch beim Verzehr von Rohmilchprodukten |
| Kyasanur-Wald- Fieber | Haemaphysalis spingera | Indien | Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen Komplikationen können zu Blutungsneigung (Hämorrhagie) und Erkrankung der Hirnhäute führen Sterblichkeit liegt zwischen 5 und 15% | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Omsker hämorrhagisches Fieber (OHFV) | Bundzecke (Dermacentor) | Sibirien: fast ausschließlich in der Region um Omsk und Novosibirsk und in Westsibirien | Hochfieberhafte Erkrankung mit Kopf- und Muskelschmerzen Infektion kann zu erhöhter Blutungsneigung (Hämorrhagie) führen | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar Evtl. partieller Immunschutz nach FSME-Impfung, aufgrund Ähnlichkeit der Viren |
| Colorado-Zecken- Fieber | Bundzecke (Dermacentor), | Westen der USA und Kanada | In der Regel milder Verlauf, kann aber auch zu einer Meningoenzephalitis führen | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Eyach-Virus | Holzbock (Ixodes ricinus) | Niederlande, Deutschland, Frankreich, Tschechien | Krankheitsbild unklar, greift evtl. das Nervengewebe an | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| In Europa wurden bis heute noch einige weitere Viren in Zecken nachgewiesen, für die aber bislang keine Erkrankungen bei Menschen bekannt wurden. | ||||
Bakterielle Erkrankungen | ||||
| Lyme Borreliose (Borrelia burgdorferi sensu strictu, Borrelia garinii, Borrelia afzelii, u.a.) | Schildzecken-Arten (Ixodes) | Europa, USA, nördliches Asien | Häufigste durch Zecken auf den Menschen übertragene Erkrankung auf der nördlichen Erdhalbkugel; | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Rocky Mountain Spotted Fever (RMSF; Auch bezeichnet als Felsengebirgsfleck- fieber, Zeckentyphus, | Bundzecken-Arten (Dermacentor), Haemaphysalis-Zecken und Schildzecken (Ixodes) | Westliche USA, Mittel- und Südamerika Europa, Afrika, Asien | Etwa 800 bis 1.000 Erkrankungen jährlich Gekennzeichnet durch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, teilweise begleitet von Symptomen des Magen-Darm-Traktes, des Zentralnervensystems und der Lunge Unbehandelt verläuft die Erkrankung in bis zu 20% der Fälle tödlich | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Mittelmeerfleckfieber (auch Altweltzeckenfieber); Erreger: Rickettsia conorii | braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) | Rund ums Mittelmeer (insb. Portugal, Norditalien aber auch südliche Schweiz) und rund um das Schwarze Meer | Charakteristisch: bläulich-schwarze Verfärbung der Haut mit deutlichem roten Hof an der Stelle des Einstichs Plötzliches hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen Etwa 5% der Erkrankungen verlaufen schwer | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Q-Fieber (auch Balkangrippe); | In Europa Bundzecken (Dermacentor) Übertragung vornehmlich beim Einatmen mit Zeckenkot kontaminierten Staub, u. U. auch durch Schmierinfektion oder den Genuss von Rohmilchprodukten | Verbreitung weltweit, auch in Mittel- und Südosteuropa Eine der wenigen Ausnahmen scheint Neuseeland zu sein | Jede 20. Infektion führt zu einem chronischen Fieber (Dauer: bis zu einem halben Jahr) Kritisch für Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bei bestehender Herzklappenerkrankung | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar Vorsicht auch beim Verzehr von Rohmilchprodukten |
| Afrikanisches Fleckfieber; | Amblyomma-hebraeum-Zecken | Weitverbreitet in Afrika und Indien
| Charakteristisch: bläulich-schwarze Verfärbung der Haut mit deutlichem roten Hof an der Stelle des Einstichs Plötzliches hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen sehr hohe Infektionsquote, etwa 5% der Erkrankungen verlaufen schwer | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Ehrlichiose: | Schildzecken (Ixodes), Amblyomma-Zecken
| USA, Europa (v.a. Osteuropa, Russland)
| In der Regel durch grippale Symptome Teilweise auch fulminante Organentzündungen, in | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Hasenpest (Tularämie); | Vorwiegend Bundzecken (Dermacentor) aber auch Schildzecken (Ixodes) Übertragbar auch durch Stechmücken, Fliegen und Wanzen sowie durch den Kontakt mit kontaminierten Blut infizierter Tiere und u.U. auch durch frische Kuhmilch und Einatmen von kontaminiertem Staub | Weltweit
| Weltweit jährlich ca. 500.000 Erkrankungen In Deutschland nur etwa zwei bis drei Fälle Häufig hohes Fieber Es kann auch zu septischen Verläufen kommen | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Zecken-Rückfallfieber; | Ornithodorus-Zecken | Amerika, Afrika, Spanien, Portugal, Osteuropa, Japan und vereinzelt in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wie auch in einigen asiatischen Ländern | Im Erkrankungsverlauf kommt es zu mehreren Fieberschüben begleitet durch Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Übelkeit, teilweise Atemnot | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
| Bartonellose; | Vorwiegend Holzbock (Ixodes ricinus) | Europa, USA | Charakteristisch: schmerzhafte Lymphknoten-schwellungen sowie Gelenk- und Gliederschmerzen Behandlungsbedürftig ist die infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
Parasitäre Erkrankungen | ||||
| Babesiose; | meistens Schildzecken (Ixodes) | Osten der USA (vereinzelt aber auch in Kalifornien), Frankreich, Irland, Russland, Mexiko | Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen Schwere Symptomatik vor allem in Europa: hohes Fieber, Mangel roter Blutkörperchen, Ausscheidung des Hämoglobins über die Nieren (kann bei starker Ausprägung zu Nierenversagen führen) | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
Toxische Erkrankung | ||||
| Zeckenparalyse ausgelöst durch Neurotoxine
| Weibliche Zecken der Gattungen Dermacentor und Amblyomma in den USA sowie von Ixodes holocyclus in Australien können in ihren Speicheldrüsen Neurotoxine produzieren
| USA und Australien | Seltene und schwer nachzuweisende Erkrankung Gift kann bei längerem Einwirken an der Einstichstelle zu einer aufsteigenden Lähmung führen Nach Entfernen der Zecke können Lähmungen wieder verschwinden; bei nicht Entfernen, kann das Syndrom auch tödlich verlaufen. | Konsequenter Zeckenschutz, keine Impfung verfügbar |
Quellen: ImpfDialog 4, 2006; RKI
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